
Jakub Powarzyński erzielte beim 33:33-Unentschieden in Potsdam sieben Tore bei perfekter Wurfquote. | Foto: Norman Gunkel
Kein Spiel für schwache Nerven: Ein hochspannendes Derby vor 2250 Zuschauern in der MBS Arena lieferten sich die Dessau-Roßlauer bei den Potsdamern. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit, die mit einem 15:15-Unentschieden endete, sah es ab Mitte des zweiten Durchgangs so aus, als hätten die Biber bereits den Weg auf die Siegerstraße gefunden. Der DRHV führte bis eine Minute vor Spielende mit 33:31 und hatte beste Chancen, beide Punkte mitzunehmen. Doch in der Schlussphase unterliefen den Gästen – zudem in Unterzahl – zwei technische Fehler. Diese nutzten die Potsdamer eiskalt aus und erzielten mit der Schlusssirene noch den Ausgleich zum 33:33. Bester Torschütze beim DRHV war David Mišových, der alle seine acht Würfe verwandelte.
Von Beginn an entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe mit zahlreichen Führungswechseln im ersten Durchgang. Die Biber erwischten dabei den besseren Start: Fritz-Leon Haake traf in der fünften Spielminute zur 3:1-Führung. Die Gastgeber aus Potsdam zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt, glichen wenig später aus und gingen durch Markus Mahr selbst in Führung.
Nun waren die Dessau-Roßlauer gefordert – und lieferten. Zwei verwandelte Siebenmeter von David Mišových brachten den DRHV zurück in Front. Als Carl-Phillip Haake Mitte der ersten Halbzeit auf 9:7 stellte, sah sich Potsdams Trainer Emir Kurtagic zur ersten Auszeit gezwungen – mit Wirkung.
Während zuvor Torhüter Janik Patzwaldt mit mehreren Paraden ein Garant für die Führung der Biber war, musste er nun dreimal in Folge hinter sich greifen. Potsdam drehte die Partie erneut.
In der Folge legte der DRHV zwar immer wieder vor, schaffte es jedoch nicht, sich entscheidend abzusetzen. Potsdam glich stets aus – zuletzt durch Tim Niclas Schröder, der mit seinem Treffer zum 15:15 den Halbzeitstand markierte.
Endscheidung fällt erst in der Schlussminute
Auch im zweiten Durchgang setzte sich zunächst das Bild aus der ersten Halbzeit fort. Die Biber legten vor, ohne sich entscheidend absetzen zu können. Nach einem Treffer von Fynn Gonschor zum 20:18 (38. Minute) betrug der Vorsprung erneut zwei Tore. Doch die Gastgeber blieben hartnäckig und glichen nur vier Minuten später durch Dustin Kraus zum 20:20 aus. Auch in der Folge blieb der DRHV zwar meist in Führung, konnte den Abstand jedoch weiterhin maximal auf zwei Treffer ausbauen.
Erst in der 49. Spielminute gelang den Bibern der nächste Schritt: Erneut war es Fynn Gonschor, der mit seinem Treffer zum 25:22 erstmals für einen Drei-Tore-Vorsprung sorgte. Kurz darauf erhöhte Valentin Neagu sogar auf plus vier. Mit einem Vier-Tore-Polster ging es schließlich in die letzten fünf Spielminuten.
Potsdam stellte nun auf eine offensive Deckung um. Drei Minuten vor dem Ende waren die Gastgeber beim 30:31 wieder in Schlagdistanz – die Partie wurde noch einmal hochspannend. Trotz der aggressiven Abwehr der Potsdamer fanden die Dessau-Roßlauer zunächst weiterhin Lösungen und behaupteten ihren knappen Vorsprung.
90 Sekunden vor dem Ende folgte jedoch ein weiterer Rückschlag: Jakub Powarzyński mit seiner zweiten Zeitstrafe, womit der DRHV die Schlussphase in Unterzahl bestreiten musste. In dieser Phase war es zum wiederholten Mal Torhüter Janik Patzwaldt, der mit einer starken Parade den Zwei-Tore-Vorsprung bis in die Schlussminute rettete.
Doch am Ende sollte es nicht reichen: Zwei Ballverluste in den letzten Sekunden bestrafte Potsdam eiskalt – mit der Schlusssirene erzielten die Gastgeber durch Markus Mahr noch den Treffer zum 33:33-Ausgleich.
DRHV-Cheftrainer Vanja Radić fand nach dem Spiel trotz des unglücklichen Ausgangs versöhnliche Worte: „Wir wollen immer gegen die besten Teams spielen und uns mit ihnen messen – und das ist uns heute über 58 Minuten sehr gut gelungen. In der Abwehr hat vieles von dem gegriffen, was wir uns vorgenommen haben, und auch im Angriff haben wir ordentlichen Handball gespielt. Dazu hatten wir einen sehr starken Torhüter. Es lief vieles so, wie wir es uns vorgestellt haben. In den letzten zwei Minuten hatten wir dann etwas Pech und verlieren am Ende, glaube ich, einen Punkt. Potsdam hat es mit der offensiven Manndeckung gut gemacht und uns enorm unter Druck gesetzt. Trotzdem bin ich froh über die Situation, die sich am Ende ergeben hat – auch wenn es bitter klingt, diesen Punkt so herzugeben. Aber die Situation ist gut für unsere weitere Entwicklung. Für die Jungs fühlt sich das im Moment natürlich hart an, aber genau aus solchen Momenten lernt man am meisten. Wenn uns diese Schlussminute eine gute Schule für die Zukunft ist, dann hat das Ganze trotz allem auch etwas Positives.“
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SPIELDATEN
1. VfL Potsdam – DRHV 06 33:33 (15:15)
DRHV 06: Philip Ambrosius, Janik Patzwaldt (13 Paraden) – Fritz-Leon Haake (2), Mika Schüler (4), Jakub Powarzyński (7), Julius Drachau (), David Mišových (8/5), Tim Hertzfeld 2(), Carl-Phillip Haake (2), Valentin Neagu (2), Luka Baumgart, Fynn Gonschor (3), Niklas Döbbel (4)
Schiedsrichter: Matthias Klinke / Sebastian Klinke
Zeitstrafen: 4:10 Minuten (Tim Hertzfeld 2, Julius Drachau 4, Jakub Powarzyński 4)
Siebenmeter: 1. VfL Potsdam: 6/7 – DRHV 06: 5/5
Zuschauer: 2250 (MBS Arena, Potsdam)
Highlight-Clip: YouTube-Kanal DRHV 06






