
Carl-Phillip Haake, der unter der Woche krankheitsbedingt kürzertreten musste, steuerte vier Tore zum Auswärtssieg gegen Ferndorf bei. | Foto: Heiko Burbach
Nur elf Spieler standen beim Auswärtsspiel der Biber im Kader – nicht gerade die besten Voraussetzungen, um nach drei Niederlagen in Folge wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Zumal die Gastgeber vom TuS Ferndorf ihre bisherigen Spiele im Jahr 2026 allesamt gewinnen konnten. Doch der DRHV zeigte über 60 Minuten eine disziplinierte und couragierte Leistung und nahm beide Punkte mit aus dem Kreuztal. Zur Pause führten die Biber mit drei Toren, mussten im zweiten Durchgang zwischenzeitlich sogar einen Drei-Tore-Rückstand hinnehmen, drehten die Partie jedoch erneut und konnten am Ende einen 29:27-Erfolg bejubeln. Bester Torschütze beim DRHV war Fritz-Leon Haake mit sieben Treffern.
Wie heißt es im Fußball so schön: „Elf Freunde müsst ihr sein.“ Eine Redewendung, die beim Dessau-Roßlauer HV vor dem Gastspiel beim TuS Ferndorf bereits bei der Abreise am Freitagmittag zum Motto wurde. Denn weiterhin musste Cheftrainer Vanja Radić auf mehrere Spieler verzichten: Yannick Danneberg, Luka Baumgart, Tim Hertzfeld und Niklas Döbbel fehlten ebenso wie kurzfristig auch David Mišových, der sich im Abschlusstraining verletzte.
Die Biber erwischten den besseren Start in die Partie. Carl-Phillip Haake traf in der dritten Spielminute zur 3:0-Führung für den DRHV. Doch bereits drei Minuten später glich Sören Servos für den TuS Ferndorf zum 3:3 aus. Auch die erste kritische Phase in Unterzahl überstanden die Biber gut, weil man im Angriff konzentrierter als zuletzt gegen Ludwigshafen agierte und defensiv stabil stand. In der elften Minute stellte Marcel Nowak auf 7:4.
Und es lief zunächst weiter rund: Yannick-Marcos Pust erhöhte auf 9:5 – direkt vor den Augen der rund 25 mitgereisten DRHV-Anhänger. Die Biber waren vor allem darauf bedacht, das Tempo zu kontrollieren und den Ferndorfer Angreifern in der Defensive möglichst wenig Raum zu geben. Der Lohn: Mitte der ersten Halbzeit baute erneut Pust den Vorsprung auf fünf Tore aus.
Während es für die Gastgeber eine eher rabenschwarze erste Halbzeit war, präsentierten sich die Biber zielstrebig: wenige Fehler, viel Ruhe im Angriffsspiel sowie eine konzentrierte Abwehrarbeit – unterstützt von mehreren wichtigen Paraden von Torhüter Philip Ambrosius. Fünf Minuten vor der Pause bot sich sogar die Chance, auf sieben Tore davonzuziehen, doch diese blieb ungenutzt. Stattdessen kamen die Gastgeber noch einmal auf und verkürzten zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff auf 12:14. Dennoch ging es mit einer verdienten 15:12-Führung für die Biber in die Kabine.
Endscheidung fällt in der Schlussminute
Die zweite Halbzeit begann aus Sicht der Biber etwas hektisch. Zwar stand die Defensive weiterhin stabil, doch im Angriff ging der Flow aus den ersten 25 Minuten zunächst verloren. Der TuS Ferndorf nutzte diese Phase und glich in der 36. Minute zum 15:15 aus – der DRHV war bis dahin noch ohne Treffer im zweiten Durchgang. Erst in der 37. Minute erlöste Fynn Gonschor sein Team mit dem Treffer zur 16:15 Führung.
In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: Die Biber legten vor, Ferndorf glich aus. Das ganze Spielchen ging bis zur 45. Minute, ehe Sören Servos zur 21:20-Führung für den TuS traf – die erste Führung der Gastgeber in dieser Partie überhaupt. Kurz darauf bauten sie ihren Vorsprung sogar auf zwei Tore aus. DRHV-Cheftrainer Vanja Radić reagierte mit seiner zweiten Auszeit, um sein Team auf die letzten 15 Minuten einzuschwören. Fritz-Leon Haake verkürzte in der 49. Minute wieder auf ein Tor, ehe Marcel Nowak in der 51. Minute zum 23:23 ausglich.
Die Chance zur erneuten Führung war da, doch ein technischer Fehler im Angriff sowie eine anschließende Unterzahl verhinderten zunächst den nächsten Schritt. Ferndorf nutzte die Gelegenheit, um sich kurzzeitig wieder abzusetzen. Doch der DRHV blieb in Schlagdistanz: Mika Schüler glich per Siebenmeter aus. Kurz darauf fing Torhüter Philip Ambrosius einen Ferndorfer Wurf direkt und traf anschließend ins leere Tor – nur wenige Sekunden später gelang Fritz-Leon Haake das gleiche Kunststück. Plötzlich führten die Biber drei Minuten vor dem Ende mit 27:25.
Ferndorf blieb jedoch dran und glich 90 Sekunden vor der Schlusssirene zum 27:27 aus. Ein Herzschlagfinale bahnte sich an. Yannick-Marcos Pust brachte den DRHV eine Minute vor dem Ende wieder mit 28:27 in Führung. Der TuS nahm seine letzte Auszeit, noch 34 Sekunden waren zu spielen. Ferndorf griff anschließend mit dem siebten Feldspieler an, leistete sich jedoch einen technischen Fehler.
Damit bot sich dem DRHV die Chance zur Entscheidung. Auch Vanja Radić nahm seine letzte Auszeit, um sein Team auf die verbleibenden 17 Sekunden einzustellen – mit Erfolg. Marcel Nowak tankte sich durch und traf zum viel umjubelten 29:27-Siegtreffer.
Cheftrainer Vanja Radić war nach der Partie stolz auf seine Mannschaft, die viel investierte und eine starke Moral bewies: „Wir haben sehr gut gedeckt, vor allem weil wir uns im Vorfeld viel zurechtgelegt hatten und viele dieser Dinge auch gegriffen haben. Im Angriff haben wir es uns teilweise etwas schwer gemacht, weil wir es nicht geschafft haben, aus der Breite heraus zu agieren und von den Außenpositionen effizienter zu sein. Das hätte es uns erleichtert, die aggressive Abwehr von Ferndorf komplett zu knacken. Letztendlich ist uns das dennoch gelungen, wenn auch nicht über die gesamte Spielzeit. Nach einem sehr guten Start haben wir zum Ende der ersten Halbzeit eine Welle an Gegentoren kassiert – in dieser Phase waren wir einfach nicht clever genug. In der zweiten Halbzeit haben wir dann den Turnaround geschafft. Nachdem Ferndorf mit drei Toren davongezogen war, sind wir ruhig geblieben, klar im Kopf und weiter drangeblieben. Wir haben alles dafür getan, dass wir am Ende über einen verdienten Sieg sprechen können.“
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SPIELDATEN
TuS Ferndorf – DRHV 06 27:29 (12:15)
DRHV 06: Philip Ambrosius (17 Paraden I 1 Tor), Janik Patzwaldt – Fritz-Leon Haake (7), Carl-Phillip Haake (4), Yannick-Marcos Pust (3), Valentin Neagu (3), Mika Schüler (3/3), Marcel Nowak (3), Jakub Powarzyński (2), Fynn Gonschor (2), Julius Drachau (1)
Schiedsrichter: Matthias Klinke / Sebastian Klinke
Zeitstrafen: 4:4 Minuten (Fritz-Leon Haake 2, Carl-Phillip Haake 2)
Siebenmeter: TuS Ferndorf: 2/2 – DRHV 06: 3/3
Zuschauer: 1313 (Stählerwiese, Kreuztal)
Highlight-Clip: YouTube-Kanal DRHV 06






