
DRHV-Cheftrainer Vanja Radić zeigt sich zufrieden mit der Leistung seines Teams in der Hinrunde. I Foto: Björn Reinhardt
Der Dessau-Roßlauer HV hat die Hinrunde der 2. Handball-Bundesliga mit einem mehr als respektablen Ergebnis abgeschlossen. Nach 17 Saisonspielen stehen 21 Punkte und Tabellenplatz acht zu Buche – eine Zwischenbilanz, die vor Saisonbeginn nur wenige in der Bauhausstadt dem neu formierten Team zugetraut hätten. Für das Team um Kapitän Luka Baumgart stellte sich die Situation vor Saisonstart jedoch nicht so überraschend dar. Bereits in der Vorbereitung fand die Mannschaft schnell zusammen, der starke Teamgeist war von Saisonbeginn an spürbar. Jeder brachte sich mit maximalem Einsatz für die gemeinsamen Ziele ein – und vor allem glaubte jeder im Team an die eigene Stärke und Leistungsniveau.
Dazu präsentierte man sich im Vergleich zur Vorsaison in der Anhalt-Arena wieder als echte Macht. Sechs Heimsiege bei nur zwei Niederlagen unterstreichen die Heimstärke der Mannschaft. Doch auch in der Fremde zeigte das Team sein in der ersten Saisonhälfte gewachsenes Selbstverständnis: Vier Auswärtssiege, ein Unentschieden und vier Niederlagen ergeben eine solide Auswärtsbilanz, die maßgeblich zum positiven Gesamtbild beitrug.
Aus Rückschlag wird Wendepunkt
Nach der Auftaktniederlage gegen den VfL Lübeck-Schwartau folgten drei Siege in Serie. Anschließend empfing der DRHV die HSG Nordhorn-Lingen in der Anhalt-Arena – ein Spiel, das in der Hinrunde herausstach, wenn auch nicht im positiven Sinne. Bei der deutlichen 22:37-Heimniederlage gegen die Niedersachsen blieb die Mannschaft vor heimischem Publikum vieles schuldig. Gegen die kompakte Defensive der Gäste fand die Mannschaft keine Lösungen, auch weil es an der nötigen Konsequenz in den Zweikämpfen mangelte. „Dieses Spiel hat uns brutal aufgezeigt, wo wir stehen und was im Profihandball passiert, wenn man nicht in allen Bereichen Woche für Woche am Limit agiert“, ordnete Trainer Vanja Radić die Partie rückblickend ein. Entscheidend sei jedoch gewesen, wie die Mannschaft darauf reagiert habe: „Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen, im Training nachgeschärft und als Team enger zusammengestanden.“
Tatsächlich folgte auf die Niederlage eine deutlich stabilere Phase, in der sich der DRHV kontinuierlich Punkte erarbeitete und sein Spiel spürbar weiterentwickelte. Ein kleiner Wermutstropfen blieb in dieser Saisonphase die vermeidbare 27:30-Auswärtsniederlage in Essen. „Das war eines unserer schwächeren Spiele, da haben wir nicht unsere Qualität auf die Platte bekommen“, so Radić selbstkritisch. Dennoch blieb es eine Ausnahme in einer ansonsten konstanten Hinrunde.
Darauf folgte eine Serie von fünf Spielen ohne Niederlage. In dieser Phase bezwang der DRHV den damaligen Tabellenführer VfL Eintracht Hagen eindrucksvoll mit 35:29 – eines der besten Saisonspiele der Biber. Anschließend wartete in der Schlussphase der Hinrunde das Duell mit den Top drei der Liga. Drei Partien, auf die man sich besonders freute, um sich mit den Besten der 2. HBL zu messen. Wie schon über weite Strecken der Hinrunde musste der DRHV dabei erneut mit anhaltenden Verletzungsproblemen und krankheitsbedingten Ausfällen umgehen – in diesen Duellen spitzte sich die personelle Situation nochmals zu. Beim Auswärtsspiel in Balingen-Weilstetten reiste die Mannschaft sogar nur mit einem elf Spieler umfassenden Kader an. Zwar gingen alle drei Begegnungen verloren, dennoch konnte das Team wichtige Erkenntnisse und wertvolle Erfahrungen für die Rückrunde sammeln. „In diesen drei Spielen hat man den Unterschied deutlich gesehen – vor allem in Sachen Erfahrung und Kontinuität im Kader. Um gegen solche Gegner bestehen zu können, braucht es ein eingespieltes und gut besetztes Team. Daran werden wir weiter arbeiten, auch weil in dieser Mannschaft noch deutlich mehr Potenzial steckt, als wir bisher gezeigt haben“, erklärte Radić.
Verbesserte Strukturen, neue Hierarchien und klare Entwicklung
Dass der DRHV zur Saisonhälfte in der oberen Tabellenhälfte steht, ist umso höher einzuschätzen, da im Sommer ein Umbruch vollzogen wurde. Der Trainerwechsel sowie die Abgänge von Kapitän Vincent Bülow und Kreisläufer Tillman Leu hinterließen zunächst Fragezeichen – insbesondere bei den Anhängern der Biber.
Mit der Verpflichtung von Philipp Braun als neuem Co-Trainer war das klare Ziel verbunden, insbesondere die athletische Betreuung der Spieler zu verbessern – ein Vorhaben, das mehr als gelungen ist. „Vor allem mit seiner Art als Mensch und als Arbeiter ist Philipp eine enorme Bereicherung für das gesamte System, das wir hier seit Jahren aufbauen. Wir arbeiten sehr eng in der Videoanalyse, der Spielauswertung und der inhaltlichen Planung zusammen und ergänzen uns dabei perfekt“, so Radić.
Mit der Wahl des neuen Mannschaftsrats entstand zugleich eine neue Hierarchie, in der Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wurde – ein weiterer Faktor, der sich positiv auf die Entwicklung der Mannschaft ausgewirkt hat.

Starke Hinrunde: Fritz-Leon Haake überzeugte mit 63 Toren und 53 Vorlagen. | Foto: Björn Reinhardt
Trotz der strukturellen und hierarchischen Veränderungen blieb die zentrale Frage, ob es gelingen würde, die entstandenen Lücken zu schließen und sportlich erfolgreich zu sein. Die Hinrunde hat darauf bereits eine klare Antwort geliefert. Mit Valentin Neagu und vor allem Mika Schüler verpflichtete der DRHV zwei Spieler, die sich schnell in das Spielsystem integrierten und im Saisonverlauf kontinuierlich steigerten. Besonders Schüler, im Sommer vom HBW Balingen-Weilstetten gekommen, überzeugte mit seiner Mischung aus Tempospiel und Spielübersicht. Gemeinsam mit Fritz-Leon Haake, der in den vergangenen Monaten Woche für Woche sein enormes Potenzial unter Beweis stellte, verfügt der DRHV nun über zwei gleichwertige Spielgestalter, die mit ihren jeweiligen Stärken die Offensive beleben. Auch Julius Drachau und Niklas Döbbel zeigten bereits in ihren Einsätzen, dass sie hervorragend in den DRHV-Kader passen und in den kommenden Monaten weitere Entwicklungsschritte gehen werden. „Wir hatten von Anfang an eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft. Jeder wollte sich einbringen, sich weiterentwickeln und dem Team helfen“, beschrieb Radić den Schlüssel zum Erfolg.
Blick nach vorn
Auch abseits des Spielfeldes wurden in der Hinrunde wichtige Weichen gestellt. Mit Marcel Nowak und Yannick Danneberg haben zwei Leistungsträger ihre auslaufenden Verträge langfristig verlängert und damit ein starkes Zeichen gesetzt. Ihre neuen Kontrakte markieren einen neuen Standard beim DRHV. „Mittlerweile haben Spieler nur noch selten den Gedanken, den Verein zu verlassen, um irgendwo anders in der 2. Handball-Bundesliga zu spielen. Vielmehr identifizieren sie sich mit dem, was wir hier gemeinsam aufbauen, und sehen sich als wichtigen Teil davon. Dass wir mit Marcel und Yannick zwei wichtige Säulen langfristig binden konnten, zeigt, wie viel wir in den vergangenen Jahren in allen Bereichen erreicht haben – und dass wir diesen Weg konsequent weitergehen wollen“, erklärte Radić, der auch weiterhin als sportlicher Leiter fungiert.

Marcel Nowak verlängerte im November seinen im Sommer auslaufenden Vertrag bis 2030. I Foto: Christoph Pabel
Zur DNA des DRHV gehört es seit jeher, sich mit dem Erreichten nicht zufriedenzugeben. „Die Hinrunde gibt uns viel Selbstvertrauen in unser Leistungsniveau, aber sie ist kein Freifahrtschein. Wir wollen diesen positiven Trend bestätigen und in der Rückrunde weiter erfolgreichen Handball spielen“, stellte der Cheftrainer klar. Die Biber sind gerüstet: Die Basis für eine erfolgreiche Saison ist gelegt.
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