
Noch fünf Spiele bleiben den DRHV-Frauen, um weitere Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln. | Foto: Hannah Hieke
Ein Wochenende, das richtungsweisend sein sollte, endet für die Frauen des DRHV 06 mit zwei Niederlagen. Sowohl gegen den MSV Dresden als auch beim HV Chemnitz ließ man wichtige Punkte liegen – und verpasst damit die Chance, im Kampf um den Klassenerhalt Boden gutzumachen.
Ein Blick auf die Tabelle zeigt die Brisanz: Der DRHV steht weiterhin auf Rang zehn, Chemnitz konnte sich durch den direkten Vergleich etwas Luft verschaffen. Umso schmerzhafter ist es, dass aus diesem Doppelspielwochenende kein Zählbares mitgenommen werden konnte.
Samstag: Emotionaler Rahmen – doch Dresden ist abgezockter
Das Heimspiel in der Anhalt-Arena bot einen besonderen Moment: Kapitänin Fabienne Welhöner stand nach über einem Jahr Verletzungspause erstmals wieder im Trikot auf der Platte – und übernimmt aktuell zusätzlich kommissarisch die Trainerrolle. Entsprechend motiviert starteten die Dessauerinnen in die Partie.
Der DRHV erwischte einen Traumstart. Nach knapp neun Minuten stand es 4:1 – konzentrierte Abwehrarbeit und mutige Abschlüsse sorgten für eine frühe Führung. Doch wie schon im Hinspiel kippte das Momentum. Überhastete Würfe führten zu einfachen Gegenstoßtoren der Dresdnerinnen, der Vorsprung schmolz dahin.
Defensive Abstimmungsprobleme konnten zwar schnell behoben werden, sodass Dresden nicht mehr zu leichten Treffern kam, dennoch entwickelte sich bis zur Pause ein intensiver Schlagabtausch. Mit einem 9:9 ging es in die Kabine – alles war angerichtet für eine spannende zweite Halbzeit.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es eng. Beide Teams begegneten sich auf Augenhöhe, und obwohl der MSV als Aufsteiger personell stark aufgerüstet hat, hielt der DRHV kämpferisch dagegen. Das geplante Tempospiel ließ sich jedoch nicht konstant umsetzen. Nach 37 Minuten setzte sich Dresden erstmals auf zwei Tore ab (11:13).
Durch starke Einzelaktionen – unter anderem von Alexandra Micu – kämpften sich die Dessauerinnen noch einmal zurück. Beim 13:13 (39. Minute) fiel der letzte Ausgleich der Partie. In der Schlussphase verhielten wir uns in der Abwehr jedoch zu offensiv, agierten teilweise zu aggressiv im Heraustreten und öffneten dadurch Räume, die Dresden clever nutzte. Hinzu kamen technische Fehler und mehrere Zeitstrafen, die eine Wende verhinderten. Dresden nutzte die Überzahlsituationen konsequent und entschied die Partie mit 22:19 für sich.
Janine Bender ordnete die Begegnung ein: „Wir gelten nicht als Favorit und konnten trotzdem über weite Strecken gut mithalten. Viel von dem, was wir in den Trainingseinheiten vorbereitet haben, hat funktioniert. Leider hapert es am Ende an der konsequenten Umsetzung und manchmal an der zündenden Idee. Viel Zeit für Enttäuschung und Zweifel bleibt uns aber nicht – gegen Chemnitz müssen wir die zwei wichtigen Punkte holen.“
Sonntag: Großer Kampf – doch Chemnitz nutzt die Schlüsselphasen
Mit diesem klaren Ziel reiste der DRHV am Sonntag nach Chemnitz. Die Bedeutung der Partie spiegelte sich in der Intensität wider. Allerdings verschliefen die Dessauerinnen den Start komplett. Im Angriff agierte man in den ersten Minuten sehr kopflos, suchte zu früh den Abschluss und brachte kaum Struktur ins Spiel. Bezeichnend: Erst nach mehr als fünf Minuten fiel der erste Treffer für den DRHV.
Zur Halbzeit lag Dessau dennoch nur knapp mit 8:10 zurück – in Schlagdistanz. Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie offen. Mehrfach kämpfte sich der DRHV auf ein Tor heran, unter anderem beim 15:16 (40. Minute) und 18:19 (46. Minute). In diesen Phasen fehlte jedoch die letzte Konsequenz, um das Spiel komplett zu drehen.
Chemnitz zeigte sich in den entscheidenden Momenten effektiver. Während der DRHV immer wieder durch Zeitstrafen (insgesamt sieben) aus dem Rhythmus geriet, nutzten die Gastgeberinnen ihre Überzahlsituationen konsequent. Besonders in der Schlussphase setzte sich der HV entscheidend ab.
Am Ende stand eine 24:29-Niederlage auf der Anzeigetafel – ein Ergebnis, das deutlicher wirkt, als es der Spielverlauf lange vermuten ließ. Bis in die letzten Minuten hinein war die Partie umkämpft, doch in der Crunch-Time fehlte die nötige Abgeklärtheit.
Fazit
Zwei Spiele, zwei Niederlagen – und das trotz vieler positiver Phasen. Man merkt aktuell, dass die Verantwortung auf zu wenigen Schultern lastet und es uns nicht gelingt, über 60 Minuten konstant unsere Leistung abzurufen – was besonders ärgerlich ist. In einigen Spielen haben wir bereits bewiesen, dass wir zu weitaus mehr fähig sind. Gerade an diesem Wochenende wären in beiden Begegnungen durchaus Punkte möglich gewesen.
Nun gilt es, die Lehren aus diesen Spielen mitzunehmen. Wir werden weiterhin individuell an unseren Stärken arbeiten, um als Team geschlossen stärker zu werden. Der Kampf um den Klassenerhalt ist noch nicht entschieden – aber die kommenden Spiele gewinnen weiter an Bedeutung.






